Relaunch ohne Weiterleitungen: Wohin Ihre Besucher laufen
Von Emanuel Althuber · Veröffentlicht · SEO · Relaunch · Weiterleitungen · Search Console
Die neue Website ist fertig, sie ist schneller und schöner als die alte, und trotzdem können alte Adressen ins Leere laufen. Dieser Artikel zeigt, was dabei schiefgeht und wie Sie es prüfen, bevor Sie Besucher verlieren.
Was beim Relaunch verloren geht
Jede Seite Ihrer alten Website hatte eine Adresse. Diese Adressen stehen in Google, auf gedruckten Flyern, in E-Mail-Signaturen und in den Lesezeichen Ihrer Stammkunden. Die neue Website kennt sie nicht mehr, wenn niemand sie aufführt. Wer dann auf die alte Adresse klickt, sieht eine Fehlerseite.
Ein Fall aus meiner Praxis, ohne Namen: Bei einer Seite, die ich nicht selbst gebaut hatte, zeigte die Search Console rund hundert alte Adressen, die Klicks bekamen und ins Leere liefen. Die Search Console ist das Werkzeug, mit dem Google Ihnen zeigt, wie es Ihre Seite sieht. Die Zahl gilt nur für diesen einen Fall, ich rechne sie nicht auf andere Betriebe hoch und nenne auch keine Verluste an Besuchern oder Umsatz, denn die kann ich nicht belegen. Sie zeigt, wie viele Türen bei einem Umbau zugehen können, ohne dass es jemand merkt.
Die drei Fehler, die ich heuer gesehen habe
Erstens: keine Weiterleitungen. Ein Betrieb bekam vor gut einem Jahr eine neue Website. Weiterleitungen gab es keine. Drei alte Adressen lieferten danach den Fehler 404, „nicht gefunden“. Eine davon stand noch im Google-Index. Im Herbst habe ich sie per 301 weitergeleitet. Eine 301-Weiterleitung sagt Browser und Google: Diese Seite ist dauerhaft umgezogen, hier ist die neue Adresse.
Zweitens: Weiterleitungen, die eine andere Regel stumm überstimmt. Bei einer WordPress-Seite hatte ich Weiterleitungen über ein Plugin eingerichtet. Daneben gab es eine Regel in der Datei .htaccess, einer Einstellungsdatei des Webservers. In meinem Fall galt diese Regel vor der Plugin-Regel. Meine Plugin-Regel auf dieselbe Adresse wirkte deshalb nicht, und es gab keine Fehlermeldung. Das Ergebnis sieht man erst, wenn man die Adresse wirklich aufruft.
Drittens: alles auf die Startseite. Anfang Oktober waren bei demselben Fall die Regeln wieder weg. Das Plugin schickte jede unbekannte Adresse auf die Startseite. Das wirkt auf den ersten Blick freundlich, ist aber ein Problem: Google schreibt, dass viele alte Adressen auf eine einzige unpassende Zielseite als Soft-404 behandelt werden können. Ein Soft-404 liegt vor, wenn eine Seite „alles in Ordnung“ meldet, aber inhaltlich wie ein Fehler wirkt. Meine eigene Prüfung hat damals nur den Code „301“ gesehen und war deshalb falsch grün. Seither prüft sie das Ziel.
Ehrlich weiterleiten
Die Regel ist einfach: Jede alte Adresse geht auf die passende neue Seite, dauerhaft (301 oder 308). Der Code 308 bedeutet dasselbe wie 301, ebenfalls „dauerhaft umgezogen“. Google empfiehlt genau das, von jeder alten auf die neue Adresse, und die Zuordnung alt zu neu ist dabei der wichtige Teil. Diese Weiterleitungen sollen so lange wie möglich bleiben, mindestens 1 Jahr.
Gibt es zu einer alten Seite keine neue, sagen Sie das offen: „gibt es nicht mehr“, technisch der Code 410. Der Standard (RFC 9110) beschreibt ihn als „nicht mehr verfügbar, wahrscheinlich dauerhaft“. Ein Beispiel: Bei mehrsprachigen Seiten habe ich Pfade, für die es noch keine neue Zielseite gab, bewusst auf 410 gelassen, bis die Seite existierte. Eine Weiterleitung auf eine unpassende Seite führt Besucher in die Irre. Ob Google eine 410 anders behandelt als eine 404, habe ich nicht geprüft und behaupte es deshalb nicht.
So prüfen Sie es selbst
Sie brauchen dafür einen Browser und etwas Zeit. Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor.
- Rufen Sie drei alte Adressen im Browser auf, zum Beispiel aus einem Prospekt oder aus Ihren Lesezeichen. Schauen Sie, wo Sie landen: auf der passenden neuen Seite, auf der Startseite oder auf einer Fehlerseite. Gut ist nur die passende neue Seite.
- Suchen Sie in der Search Console den Bericht zu nicht gefundenen Seiten.
- Schreiben Sie in jedes Relaunch-Angebot zwei Dinge: eine Liste der alten Adressen und eine Prüfung nach dem Livegang. Ein Angebot, das „Weiterleitungen werden eingerichtet“ verspricht, sagt Ihnen noch nichts darüber, ob sie ankommen.
Was ich dabei mache
Vor dem Livegang erstelle ich eine Liste aller alten Adressen, die in Google oder in der Search Console auftauchen. Jede bekommt ein Ziel oder ein ehrliches 410. Nach dem Livegang prüfe ich den Statuscode und rufe die Adresse auf, um zu sehen, wo der Besucher landet. Vier Wochen später kontrolliere ich noch einmal, was die Search Console meldet.
Mehr zu meiner Arbeit an der Sichtbarkeit finden Sie unter SEO, laufende Betreuung nach dem Livegang unter Wartung. Warum ich meine eigene Seite auf Hugo umgestellt habe, steht in Relaunch von projekt-entwicklung.at. Wie Sie lokal sichtbar werden, lesen Sie in SEO für Handwerksbetriebe ohne Hype.
Steht Ihr Relaunch bevor oder ist er schon passiert, und Sie sind nicht sicher, wo Ihre alten Besucher landen: 30 Minuten Erstgespräch kosten nichts. Rufen Sie an unter +43 699 1203 8521 oder schreiben Sie mir an office@projekt-entwicklung.at. Ich schaue mir vorher an, was Google von Ihrer alten Seite noch kennt, und sage Ihnen konkret, wo es hakt.
Quellen
- Google Search Central: Weiterleitungen und die Google-Suche (301)
- Google Search Central: Website-Umzug mit neuen Adressen
- Google Search Central: Soft-404-Fehler
- RFC 9110: HTTP Semantics (Statuscodes 301, 404, 410)
So ist dieser Artikel entstanden
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